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ARVID GUTSCHOW – Bedeutend und fast vergessen
Angeregt durch seinen Vater, einem begeisterten Hobbyfotografen, beschäftigte sich Arvid Gutschow (* 2.10.1900, Hamburg – 14.5.1984, Seebergen bei Bremen) schon sehr früh mit dem Medium Fotografie. Dabei interessierten ihn besonders Themen, die er in der Natur an Elbe und Nordsee vorfand: Wasser, Sonne und Sand. Neben diesen Naturformationen entdeckte er, dem Zeitgeist folgend, Fabrikanlagen und Industriebauten als fotografische Sujets.
Gutschow zählte um 1930 zur deutschen Avantgarde-Fotografie: er war nicht nur 1929 an der wegweisenden Internationalen Wanderausstellung des Deutschen Werkbundes FILM UND FOTO in Stuttgart beteiligt und publizierte in vielen zeitgenössischen Magazinen. Vor allem wurde er durch sein Fotobuch See Sand Sonne, das 1930 im Hamburger Gebrüder Enoch Verlag erschien, bekannt. Diese frühe Publikation mit 75 Aufnahmen von Meer, Watt, Strand, Dünen und Küstenpflanzen wurde zur Inspirationsquelle für weitere Bücher über Meeres-, See- und Dünenlandschaften in den 1930er-Jahren. Gutschows Fotografien entstanden im Winter 1928 auf Sylt. Die vorwiegend abstrakt gehaltenen Aufnahmen von Sand- und Wasserformationen zeigen seinen klar gliedernden und strukturellen Blick.
Anfang der 1950er-Jahre schuf er Landschaftsreihen rund um seinen späteren Wohnsitz Seebergen bei Bremen, aber auch beeindruckende Aufnahmen von Industriebetrieben wie der Hannoverschen Maschinenbau AG Hanomag oder der Aktien-Gesellschaft „Weser“. Diesen Landschafts- und Technikfotografien wohnt eine gestalterische und formale Strenge inne, die der renommierte Hamburger Fotohistoriker Fritz Kempe 1956 so beschreibt: „Gutschow (…) kultiviert: die Kunst des Einengens, Abstrahierens und Komprimierens. Dazugewonnen hat er eine glänzende Technik. (...) Aus dem ständigen Leben in der Natur wächst ihm Kraft für die geistige Strenge seiner Fotografie.“
Es ist beachtenswert, dass Gutschow eine solch hochkarätige fotografische Qualität und rege Publizistik nebenberuflich umsetzen konnte, denn der promovierte Jurist war ab 1926 als höherer Verwaltungsbeamter im Staatsdienst der Stadt Hamburg tätig. Zuletzt war er Senatsdirektor in der Gemeindeverwaltung der Hansestadt Hamburg. Im Anschluss an seine frühzeitige Pensionierung beschäftigte er sich intensiv mit Landwirtschaft, Fragen der Umweltzerstörung, Problemen der Entwicklungsländer und fotografierte auf seinen Reisen.
Obgleich international als Fotograf anerkannt, stellte Gutschow seine Fotografien zeit seines Lebens nur selten in Museen aus. Hierin könnte ein Grund liegen, weshalb sein Name in Vergessenheit geriet. Der Nachlassverwalter von Arvid Gutschow, Hans Jürgen Sieker, betitelte ihn als „Pionier des Neues Sehens in Natur und Landschaft“. Das Richard Haizmann Museum zeigt 56 Aufnahmen dieses bedeutsamen Vorreiters der Neuen Fotografie aus den 1920er- bis 1950er-Jahren.
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