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Diether Kressel
1925 - 2015

Lizzy im Hut, 2004, Öl auf Leinwand, 155 x 55 cm, Privatbesitz

Werke aus Privatbesitz

"Malerei, Zeichnung, Druckgrafik"

10. Juli bis 30. August 2015 

Der unverstellte, absichtslose Blick auf das Schaffen des Malers und Grafikers Diether Kressel eröffnet eine überraschende bildnerische Konstellation: Da gibt es ein Frühwerk, das stilistisch eine gewisse hanseatische Typik keineswegs verschließen kann. Als Schüler von Tom Hops und, zwischen 1945 und 1948, als Student des Hamburger Landeskunstschule interessierte sich Kressel zunächst vor allem für eine flächig-vereinfachte, starkfarbige Bildanlage. Bis in die frühen 1960er-Jahre entstanden Figurenbilder, Porträts, Landschaften und Stillleben, die eine emotional starke und eindeutige Bindung an die gesehene wie die erlebte Wirklichkeit aufweisen und zugleich die Anbindung an die Kunst der Moderne suchten. Matisse, Modigliani und Macke fungierten nach eigenem Bekunden als künstlerische Wegweiser. Was Kressel demnach wollte, war eine Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit auf der Grundlage genuin malerischer und grafischer Mittel. Damals womöglich eine eher konservative Disposition der eigenen Arbeit. Aus heutiger Sicht jedoch, sozusagen unter vielfach veränderten Vorzeichen, die Vorbedingung einer künstlerisch unerlässlichen inneren Haltung, die sich gegenüber jedweden, apodiktisch vorgetragenen Moden als ein jederzeit belastbarer Faustpfand erwiesen hat. Will heißen: Nicht das Moment des Forminnovativen als solches wies Kressel den Weg und bewahrte ihn womöglich vor Einbahnstraßen und Sackgassen, sondern vielmehr ein konzeptuell unerschütterliches Vertrauen in die Wirklichkeit. Für den Künstler bedeutete dies freilich keine vordergründig-selbstgenügsame Wiedergabe des Gesehenen. Was zählte, war die Nähe zu Figuren und Dingen wie deren begrifflich klar umrissene, allegorisch bestimmte Inszenierung. Die Verwendung des Spiegels, die unbedingte, akribisch vorgetragene Konzentration auf das Objekt, aber auch dessen inhaltlich-ironische Brechung, die Einbeziehung zerfallender Strukturen, sprich die nahsichtig vorgetragene Thematisierung von Zeit und Raum, eine mitunter geradezu überbordend vorgetragene sinnliche Lust oder aber die stetig wiederkehrende Einbeziehung des eigenen Konterfeis erschlossen Kressel in diesem Zusammenhang ein bildnerisch schier unerschöpfliches Kaleidoskop. Ohne die vorgefundene komplexe Struktur anzutasten, wurden mögliche surreal ausgreifende Anleihen wieder auf den Boden von Tatsachen zurückgeholt. Dies gelang, indem Kressel seine Bilder nach strengen, mitunter geradezu konstruktiv anmutenden Prinzipien ordnete. Nichts blieb dem Zufall überlassen. Darüber hinaus weigerte sich Kressel, den verschiedenen bildnerischen Gattungen ihre tradierte Rangordnung zuzugestehen. Auch darin blieb er „Hamburger“, wusste sich einig mit Paul Wunderlich oder Horst Janssen: Kressel konzentrierte sich über Jahre hinweg ausschließlich auf die Zeichnung wie auf die Druckgrafik. Das Spontane, das Vorläufige wie das Offene vermied er in allen Arbeiten mit beeindruckender Konsequenz. Jede Bildfindung wurde auf ihre Realisierbarkeit, vor allem aber auf eine komplexe Inhaltlichkeit hin angelegt, wodurch der Betrachter sogartig in das Bild hineingezogen wird. Ein ebenso faszinierender wie kaum zu bewältigender Prozess, der im Gegenzug Nähe zur Wirklichkeit und deren elementares Erlebnis vorhält.

Toast, 1992, Öl auf Leinwand
Hummerfenster, 1984, Radierung und Aquatinta (4 Platten)
o.T.1984
Selbst-Schädel, 1994, Aquarell, Blei- und Farbstift
Schwarze Kommode mit Flaschen, Gläsern und Fisch in der Schublade, 2011, Öl auf Leinwand
Letze Änderung: 09. 09. 2015