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Günter Zachariasen & Jochen Hein

Getrennte Nähe

20. Juli 202420. Oktober 2024

Getrennte Nähe

Übereinstimmungen und Gegensätzlichkeiten führte die beiden aus Nordfriesland stammenden Künstler Günter Zachariasen (*1937) und Jochen Hein (*1960) zusammen. Ihre frühe Hinwendung zur Kunst beruht aus der Faszination an Licht und Farbe sowie der Ausdruck von Emotionen.

Im Laufe seiner künstlerischen Laufbahn näherte sich Günter Zachariasen einer uneingeschränkten Abstraktion und entwickelt eine tiefgreifende Komplexität absolut destilliert illusionistischer Raumwirkung, die subjektive Assoziationen erlaubt. Der Verzicht auf gegenständliche, sinnbildliche oder symbolhafte Darstellungen konzentriert sich auf das thematisierte Empfinden. Minimalistisch beschränkt sich der Ausdruck auf die Flächen, die konkurrieren, harmonieren und siich ergänzen. Fernöstliches Denken und Ästhetik und damit verknüpftes Denken mit der abendländisch philosophischen Tradition. Hier wie dort geht es um Askese, um sinnliche und ästhetische Erkenntnis zur reflektierenden Erfassung. Es wird, sowohl vom Künstler als auch vom Betrachter, eine unumwundene Unvoreingenommenheit erfordert, um einer zeitlosen unbegrenzten Gültigkeit und Aktualität zu begegnen.

Die erstmalig präsentierten Zeichnungen in schwarzer Tusche zeigen gebündelte Balken, figurative Formationen und Kreise, deren Wiederholung keineswegs beliebig sind. Befreit von tradierten Vorstellungen, Erfahrungen, Erwartungen und Illusionen vermitteln die Zeichnungen einen Zustand völliger Freiheit im Malprozess. Diese aus der absoluten Konzentration des Geistes erarbeitete Freiheit im Malprozess konnte durch die intensive Auseinandersetzung mit der Zen-Malerei entstehen.

So wie Günter Zachariasen sinnlich Atmosphärisches mit abstrahierend existenziellen Emotionen verbindet, so gelingt es Jochen Hein, die Abstraktion aus der konkreten Illusion zu projizieren. Die unterschiedliche Wahrnehmung des Künstlers und des Betrachters sind nach Hein verantwortlich für die Problematik bei der Bildbetrachtung. Aus der subjektiven Wahrnehmung wird ein Wiedererkennen eines einzelnen Details oder einer Situation hervorgerufen. Dieser unmittelbare Eindruck der Nachvollziehbarkeit ruft eine Stimmung hervor. Indessen wird beim Herantreten an den Malgrund eine überraschende Abstraktion erkennbar, die zur Illusion führt. Es findet eine Befreiung von Zeit und Raum statt. – Unsere konditionierten Wahrnehmungen lassen Illusionen entstehen. Das subjektive Wiedererkennen ruft Empfindungen hervor. Die Vorläufigkeit dieser Antworten sind entscheidend für eine grenzenlose Freiheit in der suggestiv wahrnehmbaren Freiheit. In der Natur sieht Hein den unvoreingenommenen Ausgangspunkt, der den Sinn in Frage stellt. In Heins Malerei wird Abstraktion und Illusion miteinander verbunden und bewusst dem Antagonisums ausgesetzt und instrumentalisert.

Die Gegenüberstellung und das Zusammenspiel der Kunst beider Künstler fasst Hein in einer Erfahrung für den Betrachter zusammen, in der er seinen Bildern eine „reine Impression aus reiner Expression“ zuschreibt, wobei dieses Wortspiel für Günter Zachariasen in gegensätzlicher Reihung zum Tragen kommt, „reine Expression als reine Impression“.

 

Zur Ausstellung ist parallel ein Buch erschienen:

Jochen Hein  Günter Zachariasen: Getrennte Nähe

EDITION marehalm

ISBN 978-3-943628-12-8

91 Seiten, 22,50 €