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130 Jahre Richard Haizmann
Masken und Aquarelle
Richard Haizmann (* 18. Oktober 1895 in Villingen, + 1963 in Niebüll)
Anläßlich des 130. Geburtstages Richard Haizmanns wurde das Thema Maske und Aquarell aus dem Oeuvre herausgegriffen, um sein unaufhörliches Interesse an Materialien und Themen aufzuzeigen. Eine außergewöhnliche Vielschichtigkeit kennzeichnet das tiefgründige Schaffen Richard Haizmanns, der sich als Skulpteur, Plastiker, Grafiker, Maler und Keramiker einen Namen als bedeutender Künstler erarbeiten kann. Er selbst lehnt jedwede Aufspaltung seiner schöpferischen Person strikt ab, da es ihm um eine differenzierte Verwirklichung in bewusst ausgewähltem Material und Technik geht. Charakteristische Eigenschaften des souverän beherrschten Werkstoffs verstärken den Ausdruck in technisch perfektionierter Umsetzung; diese ist jedoch befreit von jeglichem Bezug auf die handwerkliche Produktion, das Bedürfnis der ästhetischen Empathie aus der künstlerischen Form zu erlangen – dies entsprach der Forderung, die strikte Trennung von Kunst und angewandter Kunst aufzuheben.
Mit unbewusster Selbstsicherheit erarbeitet Haizmann im Februar 1924 aus tiefstem Inneren sein „erstes“ Gemälde, ein Aquarell. Obwohl der diesen Wunsch schon lange hegt, kann er nun selbst zum Künstler werden. Es entstehen Aquarelle mit aussage-kräftigem Ausdruck in schöpferischer Unbefangenheit. Figuren, Tierdarstellungen, Landschaften, Portraits und Selbstportraits bilden den Fokus.
Die Themen werden mit Symbolen arrangiert, um eine zeitlose Aussage zu schaffen. Das bedeutet für Haizmann, dass die Farbe das aus der Matherie erstrahlende Licht beschreibt. Figuren wie auch Tierdarstellungen besitzen daher in ihrer Darstellung keinen individuellen Ausdruck; stattdessen zeigt sich eine schematische Grundtendenz: Das reine Wesen – die Urform, das Urwesen – soll zum Ausdruck kommen, was Haizmann vor allem im unreflektierten Dasein eines Tieres erscheint. Hingegen die Allgemeingültikeit eines Menschenbildes zeigt sich für ihn in Höhlen-zeichnungen früherer Hochkulturen, die die Fokussierung auf ein lineares Grund-gerüst befördern. Seine künstlerische Intention versteht er nicht als bl0ße verein-fachende Abstraktion der Formen, sondern vielmehr als eine maximale Reduktion, Qualität zu verleihen.
So spielt auch das Motiv der Maske eine zentrale Rolle im Werk Haizmanns. Aus Materialien wie Granit, getriebenem und punziertem Kupfer und aus Keramik gestaltet und interpretiert er das Thema in vielfältigen Variationen neu. Dabei ist der Übergang der Maske als symbolisches Sinnbild für Identitätswechsel, Verhüllung und Schutz hin zu Aspekten von Spiritualität, Kult und Ritus fließend. Die Maske vereint dabei sowohl sinnbildliche als auch dekorative Funktionen.
Mit den tiefgreifenden Veränderungen in der industrialisierten Gesellschaft erlangt die Maske vor allem im Schatten expressionistischer Künstler zunehmende Bedeutung. Sie fokussieren sich auf das maskenhafte Erscheinungsbild des menschlichen Gesichts. Im zweiten Viertel des 20. Jahrhunderts wird die Maske dadurch häufig mit gesell-schaftskritischen Aussagen und einer antifaschistischen Ausrichtung in Verbindung gebracht. Inspirierende Einflüsse finden sich in den außereuropäischen Kulturen, deren Ausdrucksformen neue Impulse bieten, um eine unverfälschte Ursprünglichkeit in der Kunst zu erreichen.