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Jörg Bernkopf

Der Fluss der Dinge

Sa., 10. Oktober 2026 – So., 6. Dezember 2026

Eine Ausstellung über Wandel, Wahrnehmung und die Schönheit des Augenblicks

Niebüll, September 2026. Was bleibt, wenn ein Bild nicht einfach ewas abbilden, sondern einen Augenblick des Werdens sichtbar machen will? Dieser Frage widmet sich die Ausstellung „Der Fluss der Dinge“ des Künstlers Jörg Bernkopf, die vom 10. Oktober bis 6. Dezember 2026 im Richard Haizmann Museum in Niebüll zu sehen ist. Die Ausstellung wird am 9. Oktober um 19.30 Uhr eröffnet.

 

Heringe, Wildgänse und Rosen sind die wiederkehrenden Motive der Arbeiten. Doch Bernkopf geht es nicht um naturgetreue Darstellung. Ein Heringsschwarm entsteht aus einzelnen Formen, Wildgänse werden durch Spuren, Lücken und Bewegungs-richtungen erfahrbar, Rosen werden zu Sinnbildern von Schönheit, Vergänglichkeit und Loslassen.

Im Zentrum steht die Vorstellung, dass die Welt nicht aus unveränderlichen Dingen besteht, sondern einem ständigen Prozess von Entstehen, Wandel und Vergehen unterliegt. Bernkopfs langjährige Auseinandersetzung mit buddhistischem Denken hat diese künstlerische Haltung wesentlich geprägt. Vergänglichkeit wird dabei nicht als Verlust verstanden, sondern als Grund dafür, den einzelnen Moment besonders intensiv wahrzunehmen.

Auch die Arbeitsweise des Künstlers folgt diesem Gedanken. Die Bilder entstehen ohne Skizze und ohne vollständig festgelegten Plan. Bernkopf reagiert auf die Wirkung von Farbe, die Beschaffenheit des Holzes, Zufälle und Spuren vorangegangener Arbeit. Übermalungen, abgeschliffene Flächen und abgeplatzte Farbschichten bleiben sichtbar. Das fertige Bild erzählt damit zugleich von seinem eigenen Entstehungsprozess.

Eine besondere Rolle spielt das Material. Bernkopf arbeitet auf massiven, teilweise reliefartig bearbeiteten Holztafeln. Fasern, Jahresringe und Widerstände des Holzes werden Teil der Komposition. Zusammen mit der Farbe entstehen Oberflächen, die sich je nach Licht und Standpunkt verändern. Die Werke wirken dadurch lebendig und in Bewegung, obwohl sie statisch sind.

Die Entstehung der Bilder erstreckt sich häufig über Monate. Mit dem Nullpinsel entwickelt Bernkopf feinste Farbabstufungen und vielschichtige Übergänge. Die damit verbundene Langsamkeit versteht der Künstler als bewussten Gegenpol zur Beschleu-nigung des Alltags. Seine Bilder verlangen Zeit – und laden dazu ein, genauer und länger hinzusehen.

Inspiration findet Bernkopf sowohl in der differenzierten Farbigkeit und Schichtung der alten niederländischen Meister als auch in der improvisierten Offenheit des Jazz, insbesondere der Musik von Miles Davis. Ordnung entsteht für ihn nicht allein durch Planung, sondern auch durch die aufmerksame Reaktion auf das, was während des Arbeitsprozesses geschieht.

„Der Fluss der Dinge“ versteht Schönheit als eine Form der Aufmerksam-keit. Die Ausstellung schafft einen stillen Gegenraum zu einer von Geschwindigkeit und Reizüberflutung geprägten Gegenwart. Die Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, Wahrnehmungen nicht sofort festzulegen, zwischen Erkennen und Nicht-Erkennen zu verweilen und dem Bild die notwendige Zeit zu geben.

Denn der Wandel lässt sich nicht anhalten. Aber für einen Augenblick kann er sichtbar und sinnlich erfahrbar werden.

Veranstalter: Richard Haizmann Museum